Da weltweit immer mehr Ressourcen verbraucht werden, ist ein möglichst effizienter Einsatz aller Ressourcen, sei es Energie, Wasser, Boden oder Rohstoffe, unabdingbar.

Kreislaufschliessung

Der Vermeidung von Abfall gilt die höchste Aufmerksamkeit. Dies kann durch effiziente und innovative Produktionsprozesse, aber auch durch eine gute Planung erreicht werden. Wir unterscheiden zwischen Betriebsabfall und Nebenprodukten, welche beide mit der höchstmöglichen Wertschöpfung verarbeitet und wiederverwertet werden. Wir orientieren uns dabei an der Verwertungspyramide, die uns die Prioritäten für die Verwendung unserer Nutzprodukte vorgibt. Mehr dazu findet sich unter dem Aspekt der Totalverwertung.

Verwertungspyramide

 

 

Wir teilen unsere Abfälle in zwei Kategorien ein:
Betriebsabfälle = Kehricht, Karton, technische Abfälle, etc.
Nutzprodukte = organische Abfälle aus der Schlachtung, Zerlegerei, Charcuterie, etc.

Abfallmengen der Micarna-Gruppe 2020

Im Bereich der Betriebsabfälle haben wir uns bis 2020 das Zeil gesetzt, diesen um 5% zu senken. Trotz der Verbesserungen in allen drei betrachteten Unternehmen, konnten wir unsere Ziele für 2020 nicht erreichen. Die grossen Mengen an Hygieneartikel (z.B. Masken, Handschuhe) zum Schutz vor einer Verbreitung des Virus in unserem Unternehmen haben zu einer grossen zusätzlichen Menge Abfall geführt.

Betriebsabfallmenge

 

Ausserdem wollten wir von dem, was weiterhin an Betriebsabfall anfällt, einen Anteil von 55% recyceln. Dieses Ziel ist uns in der Micarna SA, wie auch in unserem Tochterunternehmen Schär für das Zieljahr 2020 noch nicht gelungen.

Beim Betriebsabfall sind es insbesondere mehrschichtige High-Tech-Verpackungsfolien, welche momentan noch nicht an allen Standorten recycelt werden können. 

Betriebsabfall Recyclingquote

Auch bei den Nutzprodukten mussten wir 2020 eine Erhöhung sowohl in absoluter (35'912 Tonnen; +14% ggü. VJ) wie auch pro produzierte Tonne (278kg/t; +10% ggü. VJ) verbuchen. Ursache ist eine überproportional starke Zunahme der Menge an Nutzprodukten beim Geflügel. Die Schattenseite der erfreulichen Produktionssteigerung beim Poulet ist der fehlende Absatzmarkt für weniger beliebte Stücke des Tieres, wodurch für gewisse Teilstücke (z. B. Hälse und Innereien) vermehrt auf die Verwertung als Tierfutter zurückgegriffen werden muss. Bei den Nutzprodukten fallen nebst den gesetzlich zu verbrennenden Teilen insbesondere die Federn und Dickdärme ins Gewicht, die bis heute zusätzlich in der Verbrennung landen. Zwar werden die Nutzprodukte in der Verbrennung auch energetisch genutzt (Verarbeitung durch Centravo als CO2-neutraler Brenn- oder Treibstoff und Einsatz der Asche in der Zementindustrie), doch wir streben langfristig eine höherwertige Verwertung an.
 
Wir haben für die nahe Zukunft einige Projekte in Aussicht, von denen wir uns eine deutlich bessere Verwertung der Nutzprodukte erhoffen. Bei den Nutzprodukten streben wir eine 99%-Recyclingquote an. Die restlichen 1% sind jene Teile der Tiere, welche aus lebensmittelrechtlichen Gründen verbrannt werden müssen. 

Nebenprodukte Recyclingquote

 

Bei unserm Tochterunternehmen Lüchinger + Schmid sind im Jahr 2020 1'985 Tonnen Abfall angefallen, welcher zu 89.3% recycelt wurde. Die Eierschalen werden kompostiert, und andere Lebensmittelabfälle werden in einer Biogas-Anlage vergärt und zu Energie umgewandelt.

Nebenprodukte Lüchinger + Schmid

 

Unsere Ziele im Bereich Kreislaufschliessung bei Lüchinger + Schmid waren zum einen, dass der Kehricht um 40% gegenüber 2018 auf 4.70 kg/t reduziert werden musste. Dieses erste Ziel konnten wir mit Bravour erreichen. Von den ursprünglichen 7.85 kg/t sind wir 2020 nur noch bei 4.38 kg Kehricht pro Tonne Produktionsmenge.  Diese erfreulich geringen Zahlen konnten unter anderem durch zahlreiche Sensibilisierungsmassnahmen erreicht werden. Ausserdem wurde 2020 das Konzept «Greenoffice» auch bei unserem Tochterunternehmen Lüchinger + Schmid eingeführt. Dabei werden Behälter für die Wertstofftrennung nach bestimmten und bewährten Vorgaben anstelle der individuellen Abfallbehälter zentral in den Bürogebäuden aufgestellt, um den Mitarbeitenden eine einfache Variante zur Trennung ihres Abfalls zu bieten und folglich die Mengen des Betriebsabfalls weiterhin reduziert werden können.

Zum anderen hatten wir uns das Ziel gesetzt, bis 2020 alle Althennen der Lüchinger + Schmid Produzenten in der Schweiz zu Lebensmittel zu verarbeiten. Dieses Ziel konnte erfreulicherweise 100% erfolgreich umgesetzt werden.

Food Waste

Von zentraler Bedeutung sind auch unsere Ziele zu Food Waste. Gemäss unserer Definition bezeichnet Food Waste alles, was lebensmittelrechtlich geniessbar wäre, jedoch nicht als Lebensmittel, aber stattdessen beispielsweise als Tierfutter verwendet wird. 

Wir unterscheiden dabei Lebensmittelverluste, die im Verlaufe des Prozesses anfallen (z. B. Fleisch, das am Knochen übrigbleibt; Stücke, die auf den Boden fallen, abgelaufene Produkte …), und Lebensmittelverluste, die aufgrund einer fehlenden oder nicht genug grossen Nachfrage anfallen. Dazu zählen beispielsweise Innereien oder tierische Fette. Ersteres bezeichnen wir als «Produktionsverluste» und letzteres als «Präferenzverluste».

2020 gehörten 88% unseres Food Wastes zur Kategorie «Präferenzverluste». Die grosse Mehrheit unseres Food Wastes verwerten wir zu Tierfutter. Nur ein kleiner Teil führen wir der Verbrennung zu (z. B. salz- und allergenhaltige Abschnitte, welche nicht für die Tierfutterproduktion verwendet werden dürfen). Unser Ziel ist es, auch diese kleine Menge an vernichteten Lebensmitteln auf null reduzieren zu können. 
 

Food Waste Mengen und Massnahmen dagegen
Lebensmittelverluste

Konkret hatten wir uns das Ziel per 2020 gesetzt, unseren Food Waste um 15% auf 45,1kg pro produzierte Tonne reduzieren. Dieses Ziel konnten wir leider aufgrund der weiter gestiegenen Präferenzverlusten nicht erreichen. Insbesondere bei Poulet-Hälsen und Innereien musste vermehrt auf die Verwertung zu Tierfutter zurückgegriffen werden.
 
Die gesamte Menge an Food Waste ist auf 54.1kg (+ 0.5%) pro produzierte Tonne gestiegen. Somit konnte der Zielwert 2020 leider nicht realisiert werden. 

Lebensmittelverluste spezifisch

Ganz generell bereitet es uns Sorgen, dass rund 88% unseres Food Wastes aus Präferenzverlusten besteht, d. h. aus Teilen der Tiere, für welche die Nachfrage auf dem Markt gering ist. Auf die Reduktion von Präferenzverlusten hat die Micarna leider nur beschränkt Einfluss, da sie stark von der gesellschaftlichen Entwicklung abhängig ist.

Totalverwertung

 

Die Wertschätzung des Tieres über die Schlachtung hinaus ist uns sehr wichtig. Wenn schon Tiere geschlachtet werden, soll auch möglichst das ganze Tier als Lebensmittel verwertet werden. Aufgrund von verändertem Konsumverhalten ist die Verwertung von weniger nachgefragten Fleischstücken in der Schweiz heute allerdings eine grosse Herausforderung. Während Edelstücke von Rind und Schwein sowie Pouletbrust besonders nachgefragt werden, und sogar häufig importiert werden müssen, gibt es Stücke, die aktuell keine genügend hohe Nachfrage als Lebensmittel finden. Diese Nebenprodukte finden in der Tierfutterproduktion Verwendung. Auch für Nebenprodukte, welche für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind (bspw. Därme, Federn, Häute etc.), wird stets nach einer ökologisch, ethisch und wirtschaftlich sinnvollen Verwendung gesucht. An oberster Stelle steht dabei die stoffliche Verwendung beispielsweise im Pharmabereich oder Gelatinenherstellung, in zweiter Priorität wird Tierfutter, Dünger oder Energie hergestellt und erst mit letzter Priorität verbrennen wir die Nebenprodukte.
 
Wir bemühen uns, den Anteil des Tieres, welcher als Lebensmittel Verwendung findet, stetig auszubauen. In den letzten Jahren haben wir viel investiert, um beispielsweise das Pouletfleisch leichter vom Knochen zu trennen und etwa zu Geflügelcharcuterie weiterzuverarbeiten. So werden heute rund zwei Drittel des Poulets zu Lebensmittel verarbeitet, während aus den übrigen Teilen Tierfutter und Energie hergestellt werden. Von einem Schwein, welches mit 110 kg geschlachtet wird, werden ebenfalls rund zwei Drittel, also ca. 74 kg als Lebensmittel verwendet. Folgende Abbildung gibt einen Überblick, wie viel vom Tier als Lebensmittel und wie viel als Nutzprodukte Verwendung finden.

Nose-to-Tail

Für eine weitere Verbesserung der Food-Waste-Thematik sind wir insbesondere auf die Bemühungen im Rahmen von «Nose to Tail» angewiesen. Hinter dem Begriff Nose-to-Tail, also vom «Schnörrli bis zum Schwänzli», versteht man eine traditionelle Lebensmittel-Philosophie basierend auf dem Gedanken, das Tier aus Respekt und Wertschätzung sowie aus Wirtschaftlichkeit vollständig zu verwerten. Zusammen mit Proviande und anderen Vertretern aus der Branche engagierte sich die Micarna innerhalb der Proviande-Initiative «Savoire-Faire» für die ganzheitliche Verwertung der Tiere. Das Projekt Savoir-Faire lieferte der Branche wichtige Impulse und legte eine solide Basis, auf der künftige Aktivitäten aufgebaut werden können. Vor allem die Sensibilisierung der Konsumenten ist dabei ein essentieller Faktor.

Seit 2017 führen wir einige Artikel mit sogenannten «Special Cuts» in unserem Gastro-Sortiment. Special Cuts sind Zuschnitte, welche in der traditionellen Küche immer seltener den Weg auf den Teller finden, aber sehr schmackhaft sind. Bekannte Beispiele sind das Flank Steak, der Nierenzapfen (Hanging Tender), das Babettli oder Flat Iron Steak.

App

Seit dem Jahr 2020 bieten wir über die App «Too Good To Go» in unseren Micarna-Shops an den beiden Hauptstandorten  gemischte Päckli an, um unseren Food Waste zu reduzieren. So konnten 2020 237 Überraschungspäckli abgegeben werden. Mit der kostenlosen App werden Sie selbst Lebensmittelretter- und -Retterinnen und können Überraschungspäckli im Warenwert von CHF 45.– zum Preis von CHF 14.90 in unseren Shops abholen. Wir können unsere Restposten noch für einen kleineren Betrag verkaufen und reduzieren unseren Food Waste und gleichzeitig können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und andere «App-Besitzer und Besitzerinnen» günstig hochwertige Lebensmittel kaufen und neue Sachen probieren. Diese und weitere Massnahmen helfen uns, die Nachhaltigkeitsziele bis 2025 im Bereich Kreislaufschliessung & Recycling zu erreichen.