Eine Frage der Wertschätzung

Wieso ein anstrengender Beruf eben auch ein schöner Beruf sein kann, zeigt ein Besuch auf dem Hof der Familie Matter in Ennetmoos. Sie ist ein gutes Beispiel für den unermüdlichen Einsatz unserer Produzenten.

In der Landwirtschaft hat sich vieles verändert, aber es ist noch immer etwas vom Schönsten, was man tun kann.
Joseph Matter

Wer frühmorgens zum Hof von Joseph «Seppi» Matter hinauffährt, findet sich in die mythische Umgebung eines Fantasyromans versetzt. Feine Nebelschwaden ziehen durch den mit Tau bedeckten, feuchten Wald, scheu kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumgipfel, und plötzlich steht er da: der schon fast romantisch angehauchte Bilderbuchhof der Familie Matter.

Die Aussicht über Stansstad bis hinunter zum Vierwaldstättersee ist phänomenal. Die Tiere interessiert dieser beinahe kitschige Weitblick wenig, viel spannender ist der Besuch, der auf dem Kiesplatz vorfährt. Mit einer Mischung aus Scheu und Neugierde schauen Hofhund Bunny, die neugeborenen Kälber und die erst wenige Wochen alten Rupromi-Schweine nach dem Rechten.

Micarna – Joseph Matter, Schweinemast

Enger Kontakt zu den Tieren

24 Braunviehkühe und 144 Rupromi-Mastschweine leben auf dem Hof von Seppi Matter in Burach, oberhalb von Ennetmoos. «Es ist ein wunderschöner Ort, gerade an einem solchen Morgen», sagt der 37-Jährige, und seine Frau Helene ergänzt: «Andere reisen in die Ferien; wir haben hier unsere Ferien.» Nun gut, als Urlaub darf der Alltag auf dem Hof der Familie nicht bezeichnet werden. Joseph und Helene Matter bewirtschaften zusammen mit Josephs Eltern und einem Teilzeitmitarbeiter über 21 Hektar Grünland, das zwischen 650 und 800 Meter über Meer in den Bergzonen 1 und 2 liegt.

Täglich stehen Vater und Sohn im Stall, schauen nach den Tieren – und egal ob drinnen oder draussen auf der Weide, die beiden erfahrenen Landwirte bemerken jede noch so kleine Veränderung. «Man könnte heute noch viel mehr automatisieren, zum Beispiel die Futterregulierung bei den Schweinen. Ich will das aber manuell machen, ich will zu meinen Tieren in den Stall. So sehe ich gleich, wenn es einem Tier nicht gut geht», erklärt Joseph Matter.

Micarna – Joseph Matter, Schweinemast

Viel Licht und frische Luft

Obwohl Seppi Matter den direkten Kontakt zu seinen Tieren sucht und viele Arbeiten manuell durchführt oder sie zumindest überwacht, gehört der Hof zu den modernsten Betrieben der Region. Die Ställe wurden erst vor wenigen Jahren neu gebaut und mit modernster Technik ausgestattet. Sie überzeugen vor allem durch viel Licht und eine gute Luftzirkulation. Wer an einem sonnigen Morgen im Kälberstall steht, wird glatt ein bisschen neidisch – eine solche Aussicht hätten viele gerne. «Das Licht war uns wichtig.»

«Im Sommer, wenn es warm ist, haben wir die Stallfront offen, im Winter können wir eine milchig-transparente Wand hochziehen. So bleibt es im Stall angenehmen warm und es ist trotzdem hell.» Fast zwei Millionen Franken hat die Familie in den Stall investiert. Ein Projekt, welches sich nicht nur für die Tiere auszahlt: «Wir haben alle Investitionen mit Schweizer und wenn möglich sogar mit regionalen Partnern umgesetzt. So bleibt das Geld in der Schweiz, in unserem Gewerbe.»

Micarna – Joseph Matter, Schweinemast

Einsatz und Entbehrungen

Am Ende sei alles eine Frage der Wertschätzung – etwas, das heute manchmal auch gegenüber den Landwirten verloren gehe. «Viele meinen, man stehe einfach ein bisschen im Stall und bekomme vom Staat das Geld», erklärt Matter. Ein Vorurteil, das schmerzt. Vor allem, wenn man sieht, mit wie viel Einsatz und Herzblut die Familie sich um Hof und Tiere kümmert. Und das schon fast nebenher: Seppi Matter arbeitet zu 100 Prozent als Maschinist bei einem Bauunternehmen im Dorf.

Dennoch war es für ihn schon früh klar, dass er den Betrieb von den Eltern übernehmen wird, schliesslich ist der Hof bereits seit 150 Jahren in der Familie. «Es ist viel Arbeit, aber es ist auch wunderschön. Die Arbeit im Stall, so anstrengend sie ist, hat etwas Beruhigendes, etwas Wohltuendes. Man darf aber nie vergessen, wie viel Einsatz dahintersteckt. Wir arbeiten hart für unseren Traum, investieren viel und verzichten auf vieles.»

Stallzuwachs gewünscht

Ob er den Betrieb eines Tages seinen Kindern übergeben wird? Wer weiss – bis jetzt ist die Begeisterung von Pascal (6), Ilona (5) und Manuel (3) für den Familienhof gross. Schliesslich leben die drei auf ihrem eigenen grossen Abenteuerspielplatz und helfen gerne beim Kontrollbesuch bei den Schweinen mit. Wenn es nach Ilona geht, fehlt aber noch etwas auf ihrem Hof – etwas Entscheidendes: «Ich möchte gerne ein Pony haben. Wir haben leider kein Pony», erklärt die Fünfjährige und sattelt vorübergehend mit ihrem Halstüechli Hofhund Bunny.

Und was hält der Vater vom Wunsch seiner Tochter? «Ob wir noch ein Pony brauchen, weiss ich nicht. Die Kälber, Kühe und Schweine finden sie ja zum Glück auch interessant.» Er hofft aber, dass die Tradition des Familienhofs Matter auch in Zukunft weitergehen wird. «In der Landwirtschaft hat sich natürlich vieles verändert, aber es ist noch immer etwas vom Schönsten, was man tun kann», sagt er und weist mit der Hand von den Braunviehkühen auf der Weide hinter sich über den neuen Schweinestall hinunter in Richtung Vierwaldstättersee. Bei dieser Aussicht vergisst man schon fast, dass eigentlich zum ganz grossen Glück noch das Pony fehlt.