Wir wollen die Tragfähigkeit des Ökosystems gewährleisten.

Klima & Energie

Die globalen Treibhausgasemissionen, welche durch menschliche Aktivitäten entstehen, sind seit vorindustrieller Zeit stetig angestiegen und haben klimatische Veränderungen zur Folge. Fast 40 % der weltweit von Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen entstehen rund um Lebensmittel (Produktion und Verarbeitung, Transport, Verbrauch, Entsorgung).

Techniker

Auch die Produkte der Micarna belasten das Klima entlang der Wertschöpfungskette. Sei es beim Anbau von Futtermitteln, der Aufzucht der Tiere, während dem Schlacht- und Verarbeitungsprozess oder beim Transport der Waren zu den Kunden: Die wirtschaftlichen Aktivitäten unseres Unternehmens hinterlassen Spuren. Vor allem die Nutztierhaltung ist ein sehr treibhausgas-intensiver Prozess. Global gesehen verursacht diese als direkte Vorstufe der Schlachtbetriebe 14.5 % der Treibhausgas-Emissionen. Den betrieblichen, aber auch den vor- und nachgelagerten Energiekonsum zu reduzieren und den Ausstoss von Treibhausgasen entlang der ganzen Wertschöpfungskette zu reduzieren, ist uns daher ein wichtiges Anliegen. So haben wir uns verbindliche Ziele im Bereich Energie und Klima gesetzt, die auf den Vorgaben der Kantone und des Bundes basieren und mit der EnAW (Energieagentur der Wirtschaft) vereinbart wurden. 

Klima & Treibhausgasemissionen

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette erzeugt die Migros-Industrie Treibhausgase, die sich negativ auf den Klimawandel auswirken. Diese werden wir mit verschiedenen Massnahmen reduzieren. Bereits in den letzten Jahren haben wir uns Ziele in unserem direkten Einflussbereich, den Emissionen im Rahmen von Scope 1 und 2 und der damit verbundenen Reduktion des Energieverbrauchs gesetzt. Jedoch machen diese nur einen sehr kleinen Teil unserer gesamten CO2-Bilanz aus. Damit wir genau wissen wo unseren grössten Hebel zur Verbesserung im Bereich unserer Treibhausgase sind, haben wir über eine externe Dienstleistungsstelle unsere gesamten Emissionen mit klimaschädlichen Auswirkungen berechnen lassen.  

THG-Bilanz Migros Industrie 2018

Im Jahr 2018 hat die gesamte Migros-Industrie über 3.5 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen verursacht. Davon werden jedoch nur etwa 3 % durch unseren direkten Betrieb (Scope 1) und den eingekauften Strom, Dampf, etc. (Scope 2) generiert. Die übrigen Emissionen können zu einem sehr grossen Teil den eingekauften Gütern und Dienstleistungen (siehe Grafik: Scope 3, Kat. 1) zugeschreiben werden.  

Für die Micarna-Gruppe als Teil der Migros-Industrie bedeutet dies, dass der Einkauf unserer Rohstoffe Fleisch, Geflügel, Fisch und Eier einen enorm grossen Beitrag auf unsere Treibhausgasemissionen-Bilanz verursacht: Wir müssen unsere eingekauften Produkte klimafreundlicher machen, was nur mit einer Treibhausgas-Reduktionen in der Landwirtschaft funktioniert. Wir sind uns bewusst, dies ist zwar teilweise schwierig, aber unumgänglich. Wir setzen dabei auf die Zusammenarbeit mit Forschungspartner und Produzentenorganisationen. Ausserdem möchten wir gemeinsam mit der gesamten Migros-Gruppe als grosses Unternehmen der Schweiz Verantwortung bei der Umsetzung des Pariser-Klimaabkommen übernehmen. Wir setzen uns daher ehrgeizige Ziele für Treibhausgasemissionen und führen entsprechende Strategien ein, um sicherzustellen, dass der Übergang zu einer emissionsarmen Gesellschaft schnell genug erfolgt, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden.  

Die Science Based Targets Initiative (kurz SBTI) ist eine globale Initiative, in welcher sich Unternehmen wissenschaftlich fundierte Ziele zur Treibhausgasreduktion setzen, mit dem Ziel, in ihrem Wirkungsfeld nicht mehr als 1.5 oder 2°C Erwärmung zu verursachen. Am 20. Februar 2020 hat sich die Migros-Gruppe und damit auch die Micarna-Gruppe sich zur Science Based Targets Initiative verpflichtet. Die Migros-Gruppe wird nun innerhalb von zwei Jahren Klimaziele setzen, die im Einklang sind mit dem Klimaschutzabkommen von Paris und damit dazu beitragen, die globale Erderwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Dabei wird die Migros-Gruppe Ziele für unsere eigenen Betriebe, aber auch in der gesamten Wertschöpfungskette setzen und vorantreiben. 

Wer viel Wärme produziert und dies wie die Micarna mittels Erdgas tut, produziert auch viel CO2-Emissionen. Wir hatten uns in diesem Kontext zum Ziel gesetzt, Wärmekreisläufe besser zu schliessen und unsere CO2-Emissionen aus Wärme bis 2020 für die Micarna SA um 18 % im Gegensatz zum Referenzjahr 2010 zu reduzieren. 

CO2 aus Wärme

 

Nebst den Emissionen bei der Erzeugung von Wärme sind bei der Micarna auch die Emissionen durch die Kältemittel ein Thema. Damit die durchgehende Kühlung unserer Lebensmittel während des Verarbeitungsprozesses und während der Lagerung sichergestellt werden kann, ist die Micarna auf ein umfassendes Kühlsystem angewiesen. Einige der momentan eingesetzten Kältemittel haben ein hohes Treibhauspotenzial. Vor diesem Hintergrund ist es für uns wichtig, Leckagen in unserem Kältekreislauf zu identifizieren und zu beheben. Der Anlagenwartung kommt dabei eine grosse Bedeutung zu. Gleichzeitig sind wir laufend bemüht, bestehende besonders klimaaktive Kältemittel durch solche mit geringem Treibhauspotential und natürlichen Kältemittel zu ersetzen. Längerfristig wollen wir 100 % unseres Kältekreislaufs mit natürlichen Kältemitteln betreiben.

Bis 2020 haben wir uns für die Micarna SA eine Reduktion der Kältemittel-Treibhausgasemissionen um 89.9 % als Ziel gesetzt. Dazu haben wir in Zusammenarbeit mit der Migros 2018 eine neue Kältemittelstrategie beschlossen, die wir laufend umsetzen. Wir haben die Treibhausgasziele aus Wärme sowohl aus Kältemittelverlusten für die Micarna SA in der ersten Zieletappe gut umgesetzt. Bei unserem Tochterunternehmen Schär haben wir noch grosse Probleme bei den Kältemittelverlusten. 

CO2 aus Kälte

 

Darüber hinaus werden wir in Zukunft vermehrt auch alternative Energieträger einsetzen. Unsere langfristige Vision ist eine 100 %-Versorgung all unserer Standorte mit erneuerbaren Energien. 
Ab dem 1. Januar 2021 werden wir zusammen mit unserem Mutterhaus der Migros nur noch Strom aus Wasserkraft einkaufen (Strom aus europäischen Wasserkraftwerken). 

Ausserdem verfügt die Micarna über einige kleine Kraftwerke, die die Energie der Sonne nutzen können. In den letzten Jahren haben wir Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtfläche von 1’215 m2 an den Standorten Bazenheid, Courtepin und Avenches installiert. 2021 werden drei weitere Anlagen auf unseren Dächern installiert. Wir können die Fläche auf insgesamt 19’000 m2 erhöhen, was ungefähr drei Fussballfeldern sind. 

Die Installation der Solarpanels stellt ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg in eine Zukunft mit 100 % erneuerbaren Energien dar. Eine interne Weisung verpflichtet uns, für alle neuen oder zu sanierenden Dächer die Realisierung einer Photovoltaik-Anlage zu prüfen.

Sprechen wir in der Micarna von Treibhausgasemissionen, dürfen wir nicht vergessen, dass ein grosser Teil unserer Emissionen nicht bei uns direkt, sondern in vorgelagerten Prozessen, konkret bei der Erzeugung unserer Hauptrohstoffe, anfällt. Als Fleischproduzentin befassen wir uns seit Jahren intensiv mit den Auswirkungen der Fleischproduktion. Eine Studie, erarbeitet durch Agroscope, zu den Scope-3-Emissionen unserer wichtigsten Produktionssysteme (Poulet Optigal, Schwein Terra Suisse und Rind Terra Suisse) hat ergeben, dass die grösste Umweltbelastung in unserer Wertschöpfungskette in der Haltung der Tiere und in der Futtermittelproduktion liegt. Insbesondere beim Rind fällt aufgrund des hohen Methangasausstosses die Tierhaltung auf dem Hof stark ins Gewicht. Die Schlachtung und Verarbeitung in den Micarna-Betrieben sowie die Transporte und das Verpackungsmaterial betragen bei allen Gattungen nur einen kleinen Teil der Umweltwirkungen. Diese Erkenntnisse helfen uns bei der Verbesserung unserer Produktionssysteme. Wir lassen die Erkenntnisse in unserer Beschaffungsstrategie und die Ausgestaltung unserer Labelprogramme einfliessen. So haben wir die Möglichkeit, auch auf vorgelagerte oder «eingekaufte» Emissionen Einfluss zu nehmen.

THG aus der  Tierhaltung

 Bei der Interpretation dieser Daten muss stets darauf geachtet werden, dass es sich hier ausschliesslich um treibhausgasrelevante Aspekte handelt. Für eine Bewertung der Gesamtnachhaltigkeit müssen auch andere wichtige Aspekte berücksichtigt werden. Beispielsweise muss festgehalten werden, dass die Rinderzucht zwar einen hohen Treibhausgasausstoss hat, die Rinder dafür aber Gras und Heu verwerten, ein Rohstoff, der von Menschen direkt nicht genutzt werden kann. In einem Land wie die Schweiz, in dem viele Flächen aufgrund der Topographie und des Klimas nicht für den Ackerbau und somit nicht direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden können, ist eine Nutzung dieser Flächen durch Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) sinnvoll. Zudem erbringen graslandbasierte Systeme für die Gesellschaft wichtige Funktionen. Graslandbasierte Systeme tragen etwa zum Erhalt der Biodiversität und kulturell geschätzter Landschaften oder zur Reduktion der Abhängigkeit von importierten Ressourcen bei. 

Weitere vorgelagerte Emissionen entstehen bei der Schlachtung in unseren Partnerschlachtbetrieben. Es ist uns daher ein Anliegen, auch auf dieser Stufe der Wertschöpfungskette Emissionsreduktionsprojekte zu unterstützen. Beim Schlachtbetrieb St. Gallen AG (SBAG), bei der die Micarna beteiligt ist, wurde beispielsweise 2019 eine Holzschnitzelheizung eingeweiht. Diese Holzschnitzelheizung ersetzt eine Ölheizung und spart 3000 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Nebst den direkten Emissionen und den indirekten Emissionen aus der Tierhaltung, sind die Flugtransporte eine weitere relevante Quelle von indirekt generierten Treibhausgasemissionen der Micarna. Wir haben uns im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, die Flugtransporte gegenüber 2012 nicht weiter auszudehnen. Grund für unsere Flugtransporte ist der grosse Appetit der Schweizer Konsumenten auf Edelstücke vom Lamm, Rind und Wild. Die Nachfrage nach Edelstücken wie Nierstücken oder Filets übersteigt das Schweizer Angebot deutlich, wodurch wir auf das Angebot im Ausland ausweichen müssen. Die Hauptlieferanten für Edelstücke von Lamm, Rind und Wild sind in Australien / Neuseeland sowie in den USA und Südamerika angesiedelt. Aus Qualitäts- und Haltbarkeitsgründen werden Edelstücke aus diesen Ländern meistens per Flugzeug importiert. 
Seit sich die Micarna das Ziel gesetzt hat, die Flugimporte nicht weiter auszudehnen, konnten diverse Massnahmen in die Wege geleitet werden. Folgende Massnahmen tragen zu einer Reduktion der Flugtransporte bei:

  • Edelstücke werden vermehrt aus Europa anstatt aus Übersee importiert.
  • Edelstücke werden vermehrt mit dem Schiff und auf der Strasse transportiert anstatt mit dem Flugzeug.
  • Die Emissionen aus den Flugimporten werden kompensiert. 


Dank diesen Massnahmen konnten wir erfreuliche Resultate erzielen und die Transporte per Flugzeug kontinuierlich weiter senken. Wir haben die erste Etappe sehr deutlich besser abschliessen können als wir mit unseren ambitionierten Zielen anvisiert hatten. Wir kauften im Jahr 2020 nur noch 811 Tonnen Fleisch, welches die Schweiz per Flugzeug erreichte. Damit konnten wir das Ziel für 2020 deutlich übertreffen. 

Warentransporte per Flugzeug
Energie

In unseren Betrieben wird viel Strom für Kühlanlagen und Produktionsanlagen gebraucht, aber auch viel Energie in Form von Wärme bei Verarbeitungsprozessen und Gebäudeheizung verwendet. Die Ziele im Rahmen unserer Energiestrategie waren dazu klar: Wir wollten den Elektrizitätsverbrauch um 9.8 % und Wärmeverbrauch um 22.9 % pro produzierte Tonne der Micarna SA bis 2020 senken (Basisjahr 2010). Mittels systematischer Energieanalysen identifizieren wir laufend neue Reduktionspotenziale und fokussieren uns dabei auf drei Bereiche:

  • auf Prozessoptimierungen wie zum Beispiel durch Wärmerückgewinnung, 
  • auf die Anpassung der Infrastruktur, beispielsweise durch die kontinuierliche Umstellung der Lichtquellen auf LED
  • und auf bauliche Massnahmen wie zum Beispiel die Sanierung und Isolation der Gebäudehülle.


Der absolute Stromverbrauch der Micarna-Gruppe (Micarna SA, Lüchinger + Schmid, Rudolf Schär AG) hat sich 2020 gegenüber dem Vorjahr um 1 % auf 133.62 GWh/ Jahr erhöht.

absolute Energie

Bei steigendem absolutem Verbrauch an Energie, aber überproportional gestiegener Produktionsmenge ist 2020 der Stromverbrauch pro produzierte Tonne um 1.2 % gesunken. Jedoch konnten wir sowohl den Wärme- als auch den Stromverbrauch für eine Tonne Produkt (=spezifischer Wärme- und Stromverbrauch) bis zum Jahr 2020 nicht soweit verbessern, dass wir unsere Ziele erreichen konnten. Lediglich unser Tochterunternehmen Schär konnte ihr Ziel bis 2020 zur Reduktion des spezifischen Stromverbrauchs erreichen.

Strom

 

Wärme
Optigal

Neue Brüterei und neuer Elterntierpark überzeugen mit Umweltfreundlichkeit

Ein gutes Beispiel dafür ist unsere im Frühjahr 2019 eröffnete Brüterei. Diese überzeugt nicht nur mit dem hohen Mass an Tierwohl, sondern auch das Thema Energie ist von zentraler Bedeutung. Die Abluft der auf 37 Grad erwärmten Brutkästen nutzen wir für die Erwärmung der hereinströmenden Frischluft von aussen. Durch den Einsatz einer Wärmepumpe können wir die bei der Kälteerzeugung entstandene Energie für den Aufwärmprozess zurückgewinnen. Den übrigen Energiebedarf der gesamten Brüterei deckt eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern auf dem Dach, welche bei Bedarf in Zukunft noch erweitert werden kann.

Im April 2019 eröffnete der neue Elterntierpark in Siders, wo 46'000 weibliche und 4000 männliche Tiere uns jährlich mit etwa 8 Millionen Bruteiern für die Pouletmast versorgen. Die Hennen und Hähne geniessen zum einen 40% mehr Platz als Tiere in vergleichbaren Betrieben in Europa und zum anderen die milden Temperaturen des Wallis in den insgesamt acht Wintergärten. Ein Vorzeigeprojekt, welches nicht nur Tierwohl auf ein neues Niveau bringt, sondern auch mit geringen Emissionen im Sinne der Nachhaltigkeit überzeugen kann. Der Elternpark ist der Start einer umfassenden Wertschöpfungskette, in der die Qualität der Poulets komplett garantiert werden kann.