Die Micarna-Gruppe präsentiert an einem Informationsanlass in Courtepin ein erstes Mal ihr Flüchtlingsprojekt «Maflü». Rund 30 mögliche Projektteilnehmer, Vertreter des Kantons Freiburg, sowie der gemeinnützigen Organisationen Caritas und ORS wohnen dem Anlass bei.

Sie kommen aus Eritrea, Somalia oder Syrien; und mussten ihre Länder wegen Kriegen oder aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Jede einzelne Geschichte, der rund 30 Projektinteressierten beim Maflü-Informationsanlass in Courtepin, bewegt und zusammen unterstreichen sie die Bedeutung eines solchen Integrationsprojekts. Das Projekt Maflü wurde zu Beginn des Jahres durch die Geschäftsleitung der Micarna lanciert und in den vergangenen Monaten in intensiver Zusammenarbeit mit dem Kanton Freiburg und den gemeinnützigen Organisationen Caritas und ORG ausgearbeitet. «Wenn es darum geht, Menschen aus fremden Ländern erfolgreich in die Schweiz zu integrieren, können wir nicht warten, bis die Politik unsere Probleme löst, wir müssen selber Lösungsvorschläge biete», erklärt Albert Baumann, Leiter Micarna-Gruppe.

Gemeinsam mit regionalen Partnern
Neben den 30 Flüchtlingen, die allesamt vorläufig aufgenommen sind, waren auch die Projektpartner am Informationsanlass vor Ort. Etienne Guerry (Kanton Freiburg), Patrick Bussmann (Caritas) und Véronique Ineichen (ORS) nahmen gemeinsam mit den Flüchtlingen die Möglichkeit wahr, sich ein Bild von den Produktionsräumlichkeiten der Micarna zu machen. «Für uns als Kanton ist eine solche Initiative seitens der Wirtschaft zu begrüssen. Wir profitieren alle, wenn wir diese Menschen erfolgreich bei uns integrieren können; dazu bietet die wirtschaftliche Grundausbildung eine wichtige Voraussetzung», betont Guerry, Koordinator für Integrations- und Eingliederungsaufgaben des Kantons Freiburg.

Berufliche und sprachliche Ausbildung
Der Kern des Maflü-Projekts besteht aus einer beruflichen Grundausbildung, verbunden mit Massnahmen zur sprachlichen und gesellschaftlichen Integration in den Gemeinden. Bei der Grundausbildung handelt es sich um eine Attestausbildung oder Vorlehre, ausgerichtet auf Menschen, denen nicht nur die Schweiz, sondern auch unsere Landessprachen fremd sind. Im Gegensatz zur klassischen Berufslehre (Sprachniveau B1) reichen für eine Attestausbildung Sprachkenntnisse auf Niveau A1/A2. Maflü hat zum Ziel, Flüchtlinge in verschiedenen Berufen innerhalb der Micarna auszubilden und ihnen somit eine berufliche Grundausbildung sowie eine berufliche Perspektive in der Schweiz zu ermöglichen.

Eine Frage des Willens
Die Ausbildung ist vorerst individuell angedacht und stufenweise aufgebaut. Der beruflichen Ausbildung innerhalb der Micarna geht ein sprachliches und kulturelles Integrationsprogramm in Zusammenarbeit mit dem Kanton Freiburg, der ORS sowie der Caritas voraus. Letztere zeichnen sich beispielsweise für die sprachliche Ausbildung der Projektteilnehmer verantwortlich. Bereits im Sommer wird in Courtepin der erste Teilnehmer mit einer Attestausbildung zum Anlageführer starten. Für weitere Interessenten stehen die Micarna und der Kanton Freiburg in Kontakt; hier werden Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten für die zweite Jahreshälfte geprüft. Grundsätzlich stehen alle 18 Ausbildungsberufe der Micarna auch den Flüchtlingen offen. In erster Linie sind diese Personen aber für eine Ausbildung im Bereich Fleischverarbeitung, Lebensmitteltechnologie, Technik, so wie in der Hauswirtschaft prädestiniert. «Wichtig ist, dass sie den Beruf wirklich lernen wollen», sagt Benoit Berset, Projektleiter Maflü. «Den Rest kann man lernen.»

Kurzportrait Micarna
Die Unternehmen der Micarna-Gruppe, welche zur M-Industrie gehören, produzieren hochwertige Fleisch-, Geflügel- und Fischprodukte. Im Jahr 1958 im freiburgischen Courtepin als Fleischverarbeitungsbetrieb der Migros durch Gottlieb Duttweiler gegründet, umfasst die Micarna-Gruppe heute die in der Schweiz ansässigen Unternehmen Micarna SA, Mérat & Cie. AG, Favorit Geflügel AG, Rudolf Schär AG und Gabriel Fleury SA. Weiter gehören die in Deutschland angesiedelten Unternehmen Stauss Geflügel GmbH und KM Seafood GmbH zur Gruppe. Dank modernster Produktionsanlagen und höchster Standards in den Bereichen Hygiene sowie Produkte- und Arbeitssicherheit erzielen die Unternehmen der Micarna-Gruppe beste Qualität. Die Unternehmen setzen sich konsequent für eine artgerechte Haltung und einen stressarmen Transport der Tiere ein und stellen sicher, dass die Herkunft jedes einzelnen Produkts lückenlos rückverfolgbar ist. Die Micarna-Gruppe realisierte im Jahr 2015 mit ihren knapp 3000 Mitarbeitenden, davon 122 Lernende, einen Umsatz von 1,5 Milliarden Franken.

Kurzportrait Maflü
Das Projekt Maflü wurde zu Beginn des Jahres 2016 von der Geschäftsleitung der Micarna initialisiert, da die aktuelle Flüchtlingsthematik nach Meinung des Unternehmens kein temporäres Phänomen darstellt, sondern die Schweiz längerfristig beschäftigen wird. Die Micarna möchte ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und stellt mit dem Projekt Maflü ein Integrationskonzept vor. Das Projekt hat zum Ziel, Flüchtlinge in verschiedenen Berufen innerhalb der Micarna auszubilden und ihnen somit eine berufliche Grundausbildung sowie eine berufliche Perspektive in der Schweiz zu ermöglichen. Diese Grundausbildung wird mit einem Berufsattest, also einer praktischen Ausbildung im Betrieb, vergleichbar sein. Die Ausbildungsziele werden stufenweise erreicht, dabei wird der Prozess eng von der Micarna und den staatlichen Institutionen begleitet. Der Ausbildung innerhalb der Micarna geht ein sprachliches und kulturelles Integrationsprogramm in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Kantonen voraus. Ziel ist es, den Absolventinnen und Absolventen dieser Grundausbildung eine Festanstellung innerhalb der Micarna anbieten zu können. Dadurch können zwei Ziele erreicht werden: Einerseits unterstützt dieses Projekt die betroffenen Personen bei der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Integration und bietet ihnen eine berufliche Perspektive; anderseits kann die Micarna dem Fachkräftemangel in der Branche aktiv entgegenwirken. In der Micarna Courtepin (Kanton Freiburg) können bereits diesen Sommer erste Flüchtlinge ihre Ausbildung aufnehmen; am Standort Bazenheid (Kanton St.Gallen) laufen erste Gespräche mit den betroffenen Stellen.

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Micarna – Mit beruflicher Perspektive zur nachhaltigen Integration